Die Sars-CoV-19-Pandemie (Corona) hat deutschlandweit (je nach Quelle) bereits fast 4000 – in ERH drei – Opfer gefordert. Damit liegt die Mortalität bei 135.000 Erkrankten deutlich unterhalb unserer europäischen Nachbarn. Das ist gut so und liegt in dem entschlossenen Handeln der bayerischen Politik begründet. Dieses Handeln von Regierung und Opposition gleichermaßen hat uns die schrecklichen Bilder aus den Krankenhäusern dieser Welt erspart. Diese Bilder aus den Krankenhäusern unserer Nachbarstaaten haben uns schmerzhaft vor Augen geführt, dass unser Gesundheitssystem und die dort arbeitenden Menschen viele Jahre sträflich vernachlässigt wurden.
Zugleich hat Corona allerdings auch wirtschaftlich tausende Opfer gefordert. Vom Einzelunternehmer über den Mittelständler bis hin zur großen Aktiengesellschaft: Die bayerische Wirtschaft hat es eiskalt erwischt und muss nun die Schäden bekämpfen. Die Abgewogenheit von Gesundheit und Ökonomie sind durch den weitgehenden Lockdown erschüttert.
Umso wichtiger ist es nun, einen geordneten Weg aus der Krise zu organisieren. Es geht um die richtige Nuancierung von Schutzeinschränkungen und verantwortungsbewusstem Exit aus dem Lockdown. Dafür benötigt es Augenmaß, aber auch Fairness allen Akteuren gegenüber.
Seit Donnerstag, dem 16.04.2020 um 13.00 Uhr ist nun klar, dass die lang ersehnten Corona-Lockerungen kommen. Dabei erscheint jedoch völlig unverständlich, weshalb Bayern auch bei den Lockerungsmaßnahmen eine Woche später ansetzt und weiterhin die härtesten Regulierungsauflagen vorschreibt. Das wird in Grenzregionen erneut zu verstärktem Einkaufstourismus führen. Doch auch in Bayern kämpfen unsere Händler um das Überleben. Wieso wird dort mit zweierlei Maß gemessen? Ist die Coronagefahr in Aschaffenburg etwa größer als die in dem 40km weit entfernten Frankfurt am Main?
Wieso erlaubt die bayerische Staatskanzlei um Ministerpräsident Markus Söder nur Geschäften bis maximal 800qm Verkaufsfläche wieder zu öffnen?
Wäre ein Quotient aus dem Verhältnis von Käufern und Verkaufsfläche nicht viel sinnvoller gewesen? Kann etwa ein Möbelgeschäft mit 12.000 Quadratmetern und 200 täglichen Kunden die Einhaltung der bereits genannten Hygiene- und Abstandsregeln nicht garantieren?
Klar ist, dass Hygiene- und Abstandsregelungen Grundvoraussetzung für spürbare Lockerungen sind. Doch im Einzelnen scheint die Exit-Strategie der Landesregierung unausgewogen.
Deshalb können und müssen wir die vorliegende Exit-Strategie unter Fairnessaspekten hinterfragen, sodass eine Kurskorrektur erfolgen kann. Unsere Gesellschaft lebt von Fairness und Gleichberechtigung! Die soziale Marktwirtschaft ermöglicht jedem ehrlichen Kauffmann den gerechten Marktzugang. Diesem Gebot folgend, müssen bayerische Händler die gleichen Marktzugangschancen haben, wie die Händler in den Nachbarländern. Darüber hinaus ist es wichtig allen Händlern unabhängig ihrer Verkaufsfläche – mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen – eine Zukunftsperspektive zu geben. Das gilt insbesondere für die Händler, die mit einer Fläche jenseits der 800qm keine Öffnungsperspektive in Sichtweite haben. Der Stressforscher Madza Adli hat kürzlich in einem Interview mit der Süddeutschen gesagt: „Ohne Perspektive hält so was niemand lange durch“.